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Faktencheck Klimawandel 1

Faktencheck Klimawandel 1

Klimabündnis Österreich & Klima-Bündnis Lëtzebuerg BürgerInnen 31 Juli 2019
Bild oben: ICESCAPE mission, or „Impacts of Climate on Ecosystems and Chemistry of the Arctic Pacific Environment,“ NASA’s shipborne investigation to study how changing conditions in the Arctic affect the ocean’s chemistry and ecosystems. July 2011. Credit: NASA/Kathryn Hansen

 

Bei Gesprächen über den Klimawandel stößt man leider immer noch auf widersprüchliche und wissenschaftlich nicht gefestigte Behauptungen, die trotz aller Polemik immer noch weit verbreitete Meinungen sind. Diesen wollen wir mit folgender Faktensammlung den Wind aus den Segeln nehmen. Gemeinsam können wir Klarheit schaffen und Schritt für Schritt die Stolpersteine zugunsten des Klimaschutzes beseitigen. Kommunizieren wir zielgerichtet Fakten und lassen wir uns von falschen Behauptungen nicht verwirren!

 

Behauptung Nr. 1:

Es gibt (noch) keinen wissenschaftlichen Konsens zum Einfluss des Menschen auf den Klimawandel.

Fakt ist aber: 97% aller KlimawissenschaftlerInnen sind der Überzeugung, dass der Mensch maßgeblich den Klimawandel verursacht. Unter denen, die die wissenschaftlichen Grundlagen des Weltklimas verstehen, gibt es so gut wie keine Debatte über die Tatsache der Erderwärmung und die Rolle der menschlichen Aktivitäten dabei. Die Herausforderung ist gegenwärtig, diese Tatsache wirksam an PolitikerInnen und die Allgemeinheit zu vermitteln.

Die Minderheit von drei Prozent jener Wissenschaftler ist oft nur auf Nebenschauplätzen der Klimawissenschaften tätig. Anstatt einen wissenschaftlichen Diskurs zu führen, sind diese hauptsächlich daran interessiert, die Medien zu bespielen. Ihr Ziel ist es meist nur Verwirrung zu stiften. Nicht selten arbeiten sie für Institute, die von der Kohle-, Erdgas- und Erdölindustrie mitfinanziert werden.

 

Behauptung Nr. 2:

Es findet keine Erderwärmung statt.

Fakt ist aber:  Auf der ganzen Welt sammeln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unabhängig voneinander genaue Daten zum Klimasystem der Erde. Die Beobachtungen sind mittlerweile so umfangreich, dass sie ein eindeutiges Bild zeichnen: Die Erdatmosphäre erwärmt sich! Folgende wissenschaftliche Forschungsergebnisse lassen so gut wie keinen Zweifel an der Erderwärmung:

  • Der Anstieg der Treibhausgase, verursacht durch die Verbrennung von Erdöl, Erdgas und Kohle bewirkt, dass immer mehr CO2 in der Erdatmosphäre zwischengelagert wird. Die Folge: Das zusätzliche Spurengas CO2 in der Atmosphäre lässt weniger langwellige Infrarot-Rückstrahlung zu. Dies führt zu einer Störung der Energiebilanz, denn die kurzwellige Sonneneinstrahlung durchdringt Spurengase wie CO2 ohne Probleme. Das führt logischerweise zur Erderwärmung.
  • Im Jahr 2016 lag die mittlere Lufttemperatur rund um unseren Globus um 0,94°C höher als das Mittel im 20. Jahrhundert.
  • Seit Beginn der Aufzeichnungen traten 16 der 17 wärmsten Jahre nach dem Jahr 2000 auf.
  • Seit mittlerweile vier Jahrzehnten gab es auf der Erde kein Jahr mehr, das kühler war als der Durchschnitt des 20. Jahrhunderts.
  • Der Beginn des Frühlings ist hierfür ein guter Indikator. So blühen die Apfelbäume meist schon zwei Wochen früher.
  • Weltweit folgen auch die Meere und die Binnenseen dem Erwärmungstrend.
  • Unter anderem steigt der Meeresspiegel aufgrund der thermischen Expansion der Erwärmung.
  • Der weltweite Gletscherschwund ist ein globales Phänomen. Regional begrenzt auftretender Zuwachs von Gletschern, wie zum Beispiel in Norwegen oder am Montblanc, ist auf vermehrten Schneefall aufgrund veränderter Witterungsabläufe und nicht auf Abkühlung zurückzuführen.
  • Das Meereis rund um den Nordpol schmilzt rasant und viel schneller, als der IPCC eigentlich erwartet hatte. Vor zwei Jahrzehnten hielt es noch niemand für möglich, dass die Hälfte des arktischen Meeres im Sommer eisfrei ist!
  • Das Grönlandeisschild verliert stetig an Masse. Das trägt direkt zum Anstieg des Meeresspiegels bei.
  • Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten reagieren auf die Klimaveränderung durch Verschiebung ihrer Lebensräume. So hat sich z.B. seit einigen Jahren die Tigermücke in Europa – auch in Luxemburgs Nachbarländern – ausgebreitet. Diese Stechmücke ist vor allem als Überträger von gefährlichen Krankheiten wie dem Chikungunya- und dem Dengue-Virus gefürchtet. Auch, wenn bisher im Großherzogtum noch kein Tigermoskito entdeckt wurde, «gibt es keinen Grund, warum Luxemburg verschont bleiben sollte», sagte Jean-Claude Schmit, Direktor des Gesundheitsamtes.
  • Steigende Temperaturen bergen zudem direkte Gesundheitsrisiken. Besonders betroffen sind Alte, kleine Kinder und chronisch Kranke. Die Zahl der »heißen Tage« pro Jahr, an denen die Temperatur mehr als 30 Grad erreichen kann, hat sich in unseren Breiten seit den 50er Jahren mehr als verdoppelt. In der Folge ist die Zahl der Hitzetoten deutlich gestiegen.
  • Daten des LIST (Luxembourg Institute of Science and Technology) zeigen, dass Starkregenereignisse hierzulande in den letzten 20 Jahren zwar nicht in der Intensität, aber in der Häufigkeit zugenommen haben, in manchen Jahren mit zwei oder drei Ereignissen. Dieser Befund deckt sich mit internationalen Daten aus den USA, Europa und Australien. Die Klimaprojektionen des LIST für Luxemburg zeigen, dass sich die Niederschläge bis Ende des Jahrhunderts im Winter leicht erhöhen könnten, um 35 Liter pro Quadratmeter, während sie im Sommer um erhebliche 60 Liter pro Quadratmeter zurückgehen könnten.
  • Anschauliche Darstellung der Durchschnittstemperaturen als Streifendiagramm, kann auch für Luxemburg generiert werden: https://showyourstripes.info/

 

Behauptung Nr. 3:

Klimatische Veränderungen gab es im Verlauf der Erdgeschichte immer wieder. Im Mittelalter war es beispielsweise wärmer als heute.

Fakt ist aber: Es ist häufig zu hören, die Mittelalterliche Warmzeit (ca. 950 bis 1250 n. Chr.) sei genauso warm wie das heutige Klima gewesen – oder gar noch wärmer. Beispielsweise begünstigte diese Warmzeit durch die Offenlegung der Nordwestpassage die Besiedelung Grönlands durch die Wikinger. Implizit wird daraus geschlossen, die heutige Erwärmung sei natürlich und nicht durch menschliche Einflüsse verursacht beziehungsweise unproblematisch. Bei solchen Argumenten handelt es sich aus wissenschaftlicher Sicht um gezieltes „Rosinenpicken“. Es stimmt, dass während der sogenannten Mittelalterlichen Warmzeit in manchen Regionen der Erde ungewöhnlich hohe Temperaturen beobachtet wurden, diese waren aber regional begrenzt und lagen vor allem auf der Nordhalbkugel. Weltweit war es jedoch nicht wärmer als heute. Klimatische Schwankungen gab es in vorindustriellen Zeiten auch. Aber erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts steigt die Temperaturkurve rasant an. Natürliche Einflüsse reichen nicht aus, um diesen raschen Aufwärtstrend zu erklären:

  • Alle bekannten natürlichen Faktoren, die das Klima beeinflussen, wirken entweder über viel längere Zeiträume (z.B. die Verschiebung der Kontinente über Millionen von Jahren oder Unregelmäßigkeiten in der Umlaufbahn der Erde in Zig-Tausend-Jahres-Zyklen), oder sie haben sich innerhalb der vergangenen Jahrzehnte nicht signifikant verändert.
  • Klimamodellierungen können nur mit dem menschlichen Einfluss die Erwärmung nachbilden.
  • Die beobachteten Temperaturveränderungen in der Atmosphäre ähneln jenen, die bei einem verstärkten Treibhauseffekt zu erwarten wären: So erwärmt sich gegenwärtig die unterste Atmosphärenschicht bei gleichzeitiger Abkühlung der oberen Atmosphärenschichten. Eine verstärkte Sonneneinstrahlung würde hingegen eine Erwärmung aller Atmosphärenschichten bewirken. In den letzten Jahrzehnten war die Erwärmung während der Nacht stärker als während des Tages, während eine erhöhte Sonnenstrahlung logischerweise vor allem zu einer Erwärmung tagsüber führen müsste.

 

Quellen:

Faktencheck Klimawandel 2

Faktencheck Klimawandel 2

Klimabündnis Österreich & Klima-Bündnis Lëtzebuerg BürgerInnen 31 Juli 2019
Bild: Floods in Mindanao, Philippines, March 2012. Even apparently solid structures made from concrete and bricks were simply lifted up from their foundations and carried along by the raging torents, displacing some 400,000 people. Photo Credit: Mathias Eick EU/ECHO

 

Bei Gesprächen über den Klimawandel stößt man leider immer noch auf widersprüchliche und wissenschaftlich nicht gefestigte Behauptungen, die trotz aller Polemik immer noch weit verbreitete Meinungen sind. Diesen wollen wir mit folgender Faktensammlung den Wind aus den Segeln nehmen. Gemeinsam können wir Klarheit schaffen und Schritt für Schritt die Stolpersteine zugunsten des Klimaschutzes beseitigen. Kommunizieren wir zielgerichtet Fakten und lassen wir uns von falschen Behauptungen nicht verwirren.

 

Behauptung Nr. 4:

Seit 1998 ist die Erwärmung zum Stillstand gekommen. Wegen sinkender Sonnenaktivität wird der Klimawandel demnächst pausieren.

Fakt ist aber: Es gab und gibt keine „Pause“ der Erderwärmung – der Langfristtrend ist lediglich durch natürliche Schwankungen verdeckt worden. Auch nach 1998 hat sich die Erde weiter erwärmt. Generell verläuft die Erderwärmung nicht in einer geraden Linie. Die Oberflächen­temperaturen schwanken von Jahr zu Jahr. In sehr kurzfristigen Betrachtungen kann das Jahr 1998 als Höhepunkt der Erwärmung erscheinen, weil es aufgrund eines starken El Niño ungewöhnlich heiß ausfiel. Für aussagekräftige Einschätzungen aber müssen längere Zeiträume betrachtet werden – und der langfristige Trend zeigt weiterhin klar nach oben.

Von Seiten der Skeptiker wird hier immer wieder mit natürlichen Faktoren, wie den Schwankungen der Sonneneinstrahlung argumentiert. Die Sonnenaktivität habe nämlich nach 1998 eine Ruhepause eingelegt. Diese Reduktion des Oberflächen-Erwärmungstrends ist zwar zum Teil auf die reduzierte Sonneneinstrahlung zurückzuführen, aber das ist ebenfalls nur ein kurzer Trend, der sich auch nur auf die Lufttemperatur bezieht. Die Erwärmung der Ozeane lässt sich durch solch kurze Schwankungen nicht irritieren. Laut Berechnungen könnte eine Reduktion der Sonneneinstrahlung im Laufe des 21. Jahrhunderts lediglich zwischen 0,06 – 0,3°C Temperaturrückgang verursachen. Durch die CO2-Emissionen drohen uns im schlimmsten Fall laut IPCC allerdings 4,8°C Erwärmung der globalen Mitteltemperatur. Eine abnehmende Sonnenaktivität in den kommenden Jahrzehnten würde also, selbst wenn sie extrem ausfällt, nur sehr, sehr wenig an der menschengemachten Erderwärmung ändern.

Zum Einfluss der Sonne auf unser Klima, hier noch ein sehr interessantes Video mit Erklärungen von Prof. Dr. Stefan Rahmstorf vom PIK (Potsdam Institut für Klimafolgenforschung): https://youtu.be/n3A1-YLt3-g

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Behauptung Nr. 5:

Die Natur setzt viel mehr CO2 frei als der Mensch. Der menschen-gemachte Beitrag ist viel zu gering, um Auswirkungen auf das Weltklima zu haben. 

Fakt ist aber: Durch Atmung, Gärung und Verwesung werden auf natürlichem Wege pro Jahr 550 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre freigegeben. Der Mensch führt diesem natürlichen System durch die Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas zusätzlich CO2 hinzu, 2018 waren es laut Internationaler Energieagentur (IEA) um die 33 Milliarden Tonnen! Der Mengenunterschied ist markant, aber erst durch die zusätzlichen Emissionen wird ein Ungleichgewicht hergestellt und die atmosphärische Balance und somit das Weltklima aus dem Gleichgewicht gebracht.

 

Behauptung Nr. 6:

Wie wollen wir das Klima vorhersagen, wenn wir es nicht einmal mit dem Wetter für die nächsten 2 Wochen schaffen?

Fakt ist aber: Das Wetter bezieht sich auf kurzfristige Zeitspannen. Es ist chaotisch, sodass seriöse Prognosen über einen längeren Zeitraum unmöglich sind. Das Klima bezieht sich hingegen auf lange Zeiträume von mindestens 30 Jahren. Daraus ergeben sich Mittelwerte, die insbesondere bei der Temperatur schon klare Aussagen zulassen. Klimazonen werden z.B. durch Bäume definiert. Die Verbreitung des Olivenbaums wird mit dem Mittelmeerklima gleichgesetzt. In Luxemburg sprechen wir vom Eichen- bzw. Buchenklima. Beim globalen Klimawandel verursacht durch die zusätzlichen Klimagase geht es um eine grundsätzliche Aussage: Die Klimasphäre des Planeten Erde erwärmt sich!

Vergleichbar ist dies mit einem Menschen, der zum Arzt geht. Dieser misst unsere Körpertemperatur. Unser Körper ist bei einer Betriebstemperatur von 36,5°C gesund. Unser Planet Erde ist bei 15°C im Gleichgewicht. Der Arzt interessiert sich nicht für die Temperatur an der Nasenspitze oder an der Handfläche. Auch ein Klimawissenschaftler will nur wissen, ob sich die Temperatur rund um den Planeten ändert – das Klima einer Region ist weniger von Interesse. Er trifft Aussagen über die Klimasphäre die unseren Planeten umschließt. Sie wird auch Troposphäre genannt und ist im Durchschnitt nur 12 km dünn.

 

Quellen:

http://diepresse.com/home/panorama/klimawandel/4917389/Skandinavien_Das-Nordland-wird-zum-Weinland