Doha – Ein Rückblick auf den Klimagipfel

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Doha – Ein Rückblick auf den Klimagipfel

Doha – Ein Rückblick auf den Klimagipfel

Thomas Brose/ Europ. Geschäftsstelle Klima-Bündnis KB International 18 Dezember 2012

von Thomas Brose/Europäische Geschäftsstelle Klima-Bündnis

Nach dem Abschluss der Klimakonferenz in Doha beginnt wieder die alljährliche Interpretation der Ergebnisse. War es ein Erfolg oder ein Misserfolg? Wie immer hängt die Einschätzung von der Perspektive des Betrachters ab. Aus Sicht des Klima-Bündnis ist das magere Ergebnis von Doha nicht nur ein Misserfolg, sondern eher ein Rückschritt in der internationalen Klimapolitik. So ist das Kyoto-Protokoll zwar formal verlängert worden, allerdings repräsentiert er nur noch 15% der weltweiten Emissionen. Die EU als früherer Vorreiter im internationalen Klimaschutz ist froh, überhaupt einen Kompromiss gefunden zu haben. Die 20% Reduktion wird die EU bald erreicht haben, aber auf ein schärferes Ziel (30%) als wichtiges Signal konnte man sich nicht einigen. Ausgerechnet das Land, das die nächste Klimakonferenz in 2013 ausrichtet, hat fast zum Scheitern der Gesamtverhandlungen beigetragen. Polen weigerte sich bis zuletzt dem Kompromiss zuzustimmen. Der zweite Verhandlungsstrang betrifft die sogenannte  „Durban Platform“, in der ein weltweites Abkommen verhandelt wird, dass 2015 beschlossen und bis 2020 ratifiziert werden soll. Es wird also wieder mal vertagt. Um es als Erfolg für ein neues Klimaabkommen zu verkaufen taufte man es „Doha Climate Gateway“.

Dabei sind die Zeichen des Klimawandels immer alarmierender. Während der Klimakonferenz gab es einen verheerenden Hurrikan auf den Philippinen mit vielen Toten und großen Verwüstungen. In 2013 wird der wissenschaftliche Beirat IPCC seinen neuen Bericht veröffentlichen mit voraussichtlich dramatischen Erkenntnissen über den voranschreitenden Klimawandel. Das politische Ziel den Klimawandel auf 2°C zu begrenzen rückt damit in immer weitere Ferne. Eine Erwärmung auf 4°C und mehr wird nicht mehr ausgeschlossen.

Die Hoffnung Vieler in den letzten Jahren richtete sich auf die Marktmechanismen: man muss dem CO2 nur einen Preis geben und dann wird sich alles über Angebot und Nachfrage regeln. Das schien die ideale Lösung aller Probleme. Umweltschutz und Ökonomie in einer perfekten Harmonie. Deshalb hat man gleich mehrere solcher Instrumente eingerichtet (wie das Clean Development Mechanism oder die Joint Implementation) und die Anbieter von freiwilligen Kompensationen und „klimaneutralen“ Produkten sind wie Pilze aus dem Boden geschossen.

Auch im Waldbereich sollte ein solches Wunderinstrument die dramatischen Entwaldungen stoppen, Geld generieren und zum Klimaschutz beitragen: REDD+ (Reduzierung von Emissionen aus der Zerstörung und Degradation von Wäldern) war das große Zauberwort der letzten Jahre. Das Überangebot an Zertifikaten weltweit und die „heiße Luft“ aus dem Zusammenbruch der Ökonomien im Osten, haben jedoch den Preis für die Tonne CO2 in den Keller fallen lassen. Nun beginnt das gesamte Gebäude des Emissionshandels zu bröckeln. Erste große Anbieter von Kompensationsprodukten schließen ihre Pforten.

Gibt es also keine Hoffnung? Ein positiver Aspekt ist, dass der internationale Verhandlungsprozess weiter geht. Trotz aller Rückschläge ist es wichtig das Thema auf der internationalen Agenda weiter zu diskutieren, denn die Alternativen sind noch schlechter. Weiterhin wird die lokale Ebene der Kommunen, Städte, Gemeinden und Regionen als wichtiger Motor für die notwendigen Veränderungen immer wichtiger. Dort findet der Wandel bereits statt. Der Ausbau der erneuerbaren Energien findet vor allem dezentral in kleineren Einheiten statt. Dafür sind die vielen Aktivitäten der Klima-Bündnis Mitglieder ein gutes Beispiel. Sie warten nicht, bis es ein internationales Abkommen gibt, sie handeln. Und dieses Handeln muss weitergeführt und verstärkt werden. Er muss der Motor für die großen notwendigen Transformationen sein. Das ist auch eine Erkenntnis aus Doha.

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